Eifersucht Gedichte

Eifersucht

Und wieder seh ich neu entfacht
Die düstre Glut, die treu du hegst
Auf deinem Herd, zur Flammenpracht,
Dein Herz erleuchtend Nacht für Nacht,
Wenn du zur Ruh dich legst.
Kaum atme ich still, so kräuselt mild
Erwartung deiner Lippen Saum;
Dann fühl ich selbst, wie jenes Bild
Die lechzende Seele dir erfüllt
Mit grausigem Wundertraum.
Tief in die weichen Kissen schmiegt
Sich wollustbebend deine Gestalt.
In kurzem Ringen unterliegt
Dein Pflichtgefühl, und im Sturme siegt
Die grabentstiegene Gewalt.
Frank Wedekind (1864-1918), deutscher Schriftsteller, Dramatiker und Schauspieler

Die Eifersucht

Ja, ja, ich weiss es, glaube mir,
Ich sah es selbst, dass Damon hier
Vertraulich mit dir sprach:
Ich merkt es auch, dass er dich pries,
Und sah es, da er dich verließ,
Sahst du, gestehs, ihm lächelnd nach.
Ich bin gutherziger Natur:
Dies weiss der Schalk, o wüsst ich nur,
Wie man recht böse tut. – –
Geh mit den kleinen Schmeichelein:
Ich will nun nicht geküsset sein,
Du küssest mich nur wieder gut.
Christian Felix Weiße (1726 – 1804), deutscher Schriftsteller

Eifersucht und Stolz

Wohin so schnell, so kraus und wild, mein lieber Bach?
Eilst du voll Zorn dem frechen Bruder Jäger nach?
Kehr um, kehr um, und schilt erst deine Müllerin
Für ihren leichten, losen, kleinen Flattersinn.
Sahst du sie gestern Abend nicht am Tore stehn,
Mit langem Halse nach der großen Straße sehn?
Wenn vom den Fang der Jäger lustig zieht nach Haus,
Da steckt kein sittsam Kind den Kopf zum Fenster ’naus.
Geh, Bächlein, hin und sag ihr das; doch sag ihr nicht,
Hörst du, kein Wort von meinem traurigen Gesicht.
Sag ihr: Er schnitzt bei mir sich eine Pfeif‘ aus Rohr
Und bläst den Kindern schöne Tänz‘ und Lieder vor.
Johann Ludwig Wilhelm Müller (1794 – 1827), deutscher Dichter