Eifersucht nach Fremdgehen

Das Dilemma mit dem Vertrauen danach

Das zieht jedem den Boden unter den Füßen weg: der Partner ist fremdgegangen! Schock, Nichtwahrhabenwollen und absolut zielsicher stellt sich immer das Gefühl des Vertrauensverlusts ein. Das Vertrauen ist mit einem Schlag einfach weg und das fühlt sich schrecklich an. Alles wird plötzlich in Frage gestellt, die ganze Beziehung, und meistens sogar das Gesamtpaket Partner.

Dabei lohnt sich ein genauerer Blick, worauf sich der Vertrauensverlust im Detail bezieht. Beim realistischen Betrachten, was zu diesem Zeitpunkt und ohne objektive Hilfe Dritter kaum möglich sein dürfte, beschränkt sich der Vertrauensverlust auf die Belange rund um das Fremdgehen und nicht auf den kompletten Menschen an sich. (Zum Weiterlesen: Andrea Bräu – Es war doch nur Sex)

Mit dem Vertrauen ist das so eine Sache, denn hier lässt sich unglücklicherweise kein Schalter umlegen, zumindest nicht in eine positive Richtung. Wenn man es genau nimmt, ist Vertrauen etwas, das man einem anderen Menschen schenkt und zwar im Voraus und zunächst ohne Gegenleistung. Der „Beschenkte“ verdient sich idealerweise daraufhin das Vertrauen, in dem er es möglichst nicht missbraucht.

Einen erheblichen Unterschied machen in meinen Augen die Art des Fremdgehens und die Weise wie man davon Kenntnis erlangt hat. Die gern angewendete „Salamitechnik“ (ich gestehe nur, wenn es nicht anders geht, ergo mit dem Rücken an der Wand stehe) macht es vertrauenstechnisch nämlich nicht besser, ganz im Gegenteil. Oftmals ist es gar nicht der Seitensprung, der so verletzt, sondern das viele Lügen Drumherum. Da kommt das Gefühl auf „will der mich eigentlich für blöd verkaufen?“ Nicht ernst genommen zu werden, ist letztendlich die größere Verletzung. Die Frage „Kann ich Dir jemals wieder vertrauen“ stellt nach einem Seitensprung in meiner Arbeit immer das zentrale Thema dar.

Um diese Entscheidung treffen zu können, stellt sich in meiner therapeutischen Arbeit heraus, dass für den Aufbau des Vertrauens oder überhaupt die erneute Bereitschaft dazu, die Frage nach dem „Warum“ eine erhebliche Wichtigkeit darstellt. Solange die nicht geklärt ist, stellt sich der andere (berechtigterweise) die Frage „warum sollte ich dir denn glauben, dass das nicht wieder passiert, wenn du selbst nicht einmal weißt, warum du das getan hast?“ Aus Angst vor Konsequenzen wird sehr gerne die Unwissenheit eingesetzt „ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte“. In diesem Fall übernimmt der Aktive keine Verantwortung für sich und sein Handeln und das vermittelt dem Passiven keine Sicherheit.

Die ist aber dringend notwendig, um das Vertrauen wieder aufzubauen. Hier muss jedes Paar individuell aushandeln, was der eine braucht und der andere zu geben bereit ist. Nach dem Minimal-Maximal-Prinzip, man könnte auch Kuhhandel dazu sagen. Die völlige Transparenz des fremdgegangenen Partners stellt keine dauerhafte Lösung dar. Ebenfalls nicht die absolute Kontrolle des betrogenen Partners. Denn Kontrolle bedeutet Wissen. Und wenn man etwas weiß, braucht man ja kein Vertrauen mehr.

Das Thema Seitensprung ist jedoch viel zu komplex, als dass hier alle relevanten Aspekte angesprochen werden könnten.

Fazit:
Häufig kommt ein Paar gerade durch einen Seitensprung erstmals richtig ins Gespräch und das kann auch eine große Chance für das Paar sein. (Zum Weiterlesen: Andrea Bräu – Es war doch nur Sex)

Vertrauen kann wieder entstehen, sicher anders als davor, was nicht gleichbedeutend mit „schlechter“ sein muss, denn ein gesundes Misstrauen ist doch auch bereits ein großer Erfolg.

Verfasserin dieses Fachartikels ist die Einzel-, Paar- und Familientherapeutin Andrea Bräu, München.